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Der „Europäische Erweiterungskoffer“

Im Rahmen eines Projektes, das durch das PRINCE-Programm der Europäischen Kommission finanziert wird, haben der Atlantic Council of Croatia (Zagreb), der Bulgarische Deutschlehrerverband (Sofia), die Europäische Akademie Berlin (Projektträger), das Europazentrum Robert Schuman (Metz – Scy-Chazelles), die Hanns-Seidel-Stiftung (Sofia und Zagreb) und die Robert-Schuman-Stiftung (Warschau) einen „Europäischen Erweiterungskoffer“ über die EU-Erweiterung konzipiert. Das Projekt ist in sechs Sprachen zugänglich (bulgarisch, deutsch, englisch, französisch, kroatisch und polnisch) und ist sowohl für die Lehre in weiterführenden Schulen, als auch für Europaanimationen von Nichtregierungsorganisationen, die sich im Bereich der demokratiepolitischen Bildung engagieren (Education for Democratic Citizenship EDC; z.B. Europäische Akademien, Europazentren, etc.), vorgesehen.

1.- Warum brauchen wir einen europäischen Erweiterungskoffer?

Am 1. Mai 2004, also kaum 15 Jahre nach dem Berliner Mauerfall, erweiterte sich die Europäische Union durch den Beitritt zehn neuer Länder von 15 auf 25 Mitgliedstaaten. Am 1. Januar 2007 erhöhte sich die Anzahl der Mitgliedsstaaten auf 27 und seit dem Beitritt Kroatiens am 1. Juli 2013 zählt die EU 28 Mitgliedstaaten. Es ist jedoch noch kein Abschluss des Erweiterungsprozesses absehbar, schließlich wurden 2005 Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, 2010 mit Island und 2012 mit dem Montenegro aufgenommen. Darüber hinaus streben andere westliche Balkanländer einen EU-Beitritt an. Die jüngsten Erweiterungen stellen wichtige Ereignisse in der Zeitgeschichte Europas dar. Sie entwerfen die politische Geografie des gesamten europäischen Kontinents neu.

 

Seit den 1990er Jahren koexistieren in den Mitgliedsländern verschiedene Konzepte über die zukünftige Entwicklung der Europäischen Union. Dabei lässt sich eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Erweiterung und dem nach einer Vertiefung feststellen. Die Kandidatenländer hingegen suchen nach der besten Lösung, sich schnellstmöglich zu integrieren. Nach der fünften, historischen Erweiterungsrunde, die sich in zwei aufeinanderfolgenden Wellen in den Jahren 2004 und 2007 vollzogen hat, kommt nun allerdings der Begriff der „Integrationskapazität“ der Europäischen Union in den Debatten auf. Spätestens seit dem Betriitt Bulgariens und Rumäniens ist die Erweiterungsstrategie im Begriff einer Neudefinition.

 

Die Bilanz der letzten Erweiterungen liefert nicht nur positive Sichtweisen. Die wirtschaftliche, finanzielle und soziale Krise sowie die Krise der Staatsüberschuldungen stellen neue Risiken für ein erweitertes Europa dar. Allerdings bleibt die Integration der Balkanländer auch nach dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon eine der wichtigsten Herausforderungen für die EU-Mitgliedstaaten.

 

Ein Abflauen des Prozesses ist entstanden, das darauf zurückgeführt werden kann, dass die Unterstützung der europäischen Bürger schwindet und Zweifel an der Transformationsfähigkeit und -bereitschaft der Kandidatenstaaten aufkommt. Das Thema der EU-Erweiterung erwies sich als einer der negativen Hauptfaktoren in den Referendumskampagnen über das Projekts eines EU-Verfassungsvertrags in Frankreich und in den Niederlanden im Jahr 2007, sowie, in einem gewissen Maß, in der Kampagne bezüglich des Vertrags von Lissabon in Irland im Jahr 2008. Einer der bekannten Gründe für eine schwache Unterstützung seitens der Bürger ist der Mangel an Diskussion und an Werbung. Dies war insbesondere bei den wichtigen Entscheidungen zu spüren, die während der 1990er Jahre bezüglich der EU-Erweiterung um Länder Zentral- und Osteuropas getroffen wurden. Dies ist auch der Grund, warum der im Jahr 2006 verabschiedete „erneuerte Konsens über die Erweiterung“ betont, dass „eine breite und nachhaltige Unterstützung der Öffentlichkeit“ durch größere Transparenz und bessere Kommunikation geweckt werden muss. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der Artikel 49 des Vertrags über die Europäische Union dahingehend revidiert, dass das Europäische Parlament und die nationalen Parlamente zur Informationsvermittlung verpflichtet wurden. Diese müssen über jede Anmeldung eines neuen Kandidaten informieren, damit die Bürger stärker am Prozess beteiligt werden.

 

Heute scheint die Beitrittspolitik an ihre Grenzen zu stoßen, wenn es um die Lösung schärfster Konflikte in Ex-Jugoslawien oder Zypern geht. (Seit 2004 ist das gesamte Gebiet der Insel Teil der Europäischen Union, aber bis heute trennt die "green line" – die keine Außengrenze der EU ist – die griechisch- und türkischstämmigen Zyprioten). Damit Beitrittsverhandlungen wieder ihren Zweck erfüllen können, dürfen sie nicht als ein Instrument der Außenpolitik betrachtet werden, welches der europäischen Exekutive zur Verfügung steht. Sie müssen vielmehr als ein integraler Teil des europäischen Projektes verstanden werden, hinter dem die europäischen Bürger stehen.

 

2.- Konzept und Verwirklichung

 

Alle Projektpartner haben sich gemeinsam auf jene Ziele, Dokumente und Materialien (interaktiv oder spielerisch) geeinigt, die das gemeinsame Grundwissen des "Europäischen Erweiterungskoffers" bilden. Dieses gemeinsame Grundwissen ist allen Sprachversionen gemein. Das Ziel war dabei, eine zu sehr national geprägte Sichtweise zu verhindern. Auch sollte vermieden werden, die Erweiterungspolitik, ihre Konsequenzen, Herausforderungen und Wahrnehmung durch die Europäer in zwei Lager zu spalten: nämlich die der „Gründungsmitglieder“ und die der erst „kürzlich beigetretenen Staaten“.

 

Es handelt sich bei diesem Projekt um ein sprichwörtlich "europäisches" Werk, das zwei Gründungsländer (Deutschland und Frankreich), ein Land der Erweiterung im Jahr 2004 (Polen), eines der Erweiterung im Jahr 2007 (Bulgarien) und ein Land, das gerade die Beitrittsverhandlungen abgeschlossen hat (Kroatien, 2013), miteinander verbindet. Für die Partner geht es nicht darum, Werkzeuge zu entwickeln, die dazu dienen, die Europäische Erweiterungspolitik zu fördern oder zu verteidigen. Der didaktische Ansatz erlaubt es den Lernenden – in weiterführenden Schulen oder in Nichtregierungsorganisationen, die sich im Bereich der demokratiepolitischen Bildung engagieren – Wissen und notwendige Kompetenzen zu erlangen, die es ihnen ermöglichen, an einer demokratischen Diskussion über die Erweiterungspolitik der Europäischen Union teilzunehmen.

 

Um das gemeinsame Grundwissen und schließlich auch den spezifischen Inhalt (Dokumente, pädagogische Mittel, Ergänzungen zum gemeinsamen Grundwissen, die für das jeweilige nationale Publikum erforderlich sind) für jede sprachliche Version des Koffers definieren zu können, haben die Partner Lehrende (aus Bereichen der Geschichte, Geographie, Politikwissenschaft, Fremdsprachen, Sozialwissenschaft, sowie Lehrende die ihren Unterricht in einer Fremdsprache abhalten) und Studienleiter aus Europazentren und Europäischen Akademien miteinander in Verbindung gebracht.

 

3.- Globaler pädagogischer Ansatz

3.1.- Allgemeine Ziele:

  1. Eine aktive Teilnahme an der demokratischen Diskussion über die Erweiterungspolitik der Europäischen Union ermöglichen;
  2. Die unterschiedlichen Konzepte über die zukünftige Entwicklung der Europäischen Union darstellen, die sich je nach Mitgliedstaat stärker an der Erweiterung oder der Vertiefung der Union orientieren;
  3. Das Verständnis dafür fördern, dass Beitrittsverhandlungen ein integraler Teil des europäischen Projektes sind, welches von den europäischen Bürgern gewollt ist;
  4. Im Rahmen einer umfassenden Reflexion der Grenzen der EU (offizielle, potenzielle und eventuelle) Kandidatenländer vorstellen.

3.2.- Zielpublikum:

  1. Lehrende (der Fächer Geschichte, Geographie, Politikwissenschaft, Fremdsprachen, Sozialwissenschaften, sowie Lehrende, die ihren Unterricht in einer Fremdsprache abhalten, etc.);
  2. Akteure der politischen Bildung im Bereich Europa (Europäische Akademien, Europahäuser, Stiftungen, etc.);
  3. Dokumentationsbeauftragte (öffentliche und gesellschaftliche Dokumentationszentren).

3.3.- Allgemeiner Inhalt:

Einleitung

  1. Die Geschichte der Europäischen Integration (falls notwendig)
  2. Die Grenzen Europas – Allgemeine Information

Der „Acquis Communautaire

  1. Was sagen Verträge und andere EU-Dokumente über die Grenzen der EU?
  2. Die EU, ein politisches Vorhaben
  3. Die EU als Wertegemeinschaft
  4. Die EU als Mehrebenensystem
  5. Die Grundprinzipien der EU
  6. Das Europa der Bürger

Die Erweiterungspolitik

  1. Die Erweiterungspolitik
  2. Fallstudie: Der Beitrittsprozess Kroatiens (Stand am 1. Juli 2012)

3.4.- Pädagogische Methoden:

Den Lehrenden werden grundlegende Dokumente und didaktische Werkzeuge  zur Vermittlung von Wissen und zur Aneignung von transversalen Kompetenzen für den Unterricht zur Verfügung gestellt.

 

Bezugssystem für die pädagogische Verwendung:

Die Materialien des Europäischen Erweiterungskoffers sind nach dem Schema des nachfolgenden didaktischen Bezugssystems geordnet:

 

Art des Dokuments

Niveau der Lernenden

Sekundarstufe I

Sekundarstufe II

Erwachsene

R

Referenzdokument

 

 

 

LH

Dokument für Lehrende

 

 

 

LN

Dokument für Lernende

 

 

 

D

Diskussionsdokument

 

 

 

 

Diese Veröffentlichungen betreffen nicht das Europazentrum Robert Schuman. Es ist nicht für die Nutzung verantwortlich, die mit den beinhalteten Informationen gemacht werden kann.

Sie können ebenfalls einige Hilfsmittel verändern, um sie an Ihr Zielpublikum anzupassen, allerdings nur unter der Bedingung der Creative Commons Lizenz: CC-BY-NC-SA:

  • CC: Genehmigung zur freien Nutzung und Verbreitung
  • BY: Die Arbeit kann frei genutzt werden unter der Bedingung der Namensnennung des Urhebers
  • NC: Jede kommerzielle Nutzung ist untersagt (kommerzielle Nutzungen sind einer vorigen Autorisation durch das CERS unterstellt)
  • SA: Weitergabe unter gleichen Bedingungen (unter den gleichen Creative Commons Optionen wie die Originalarbeit) für die genannten abgeleiteten Arbeiten, die einem Publikum zugänglich gemacht werden.

 

Partner:

 

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